• Schriftgröße

Annika Sachtleben

Vögel, die frei herumfliegen, Cellospieler, Highlander, Pferd, Diebe und Hutmacher tauchen da etwa auf. Ihre Phantasie ist figürlich orientiert, bindet diese Wesen aber mit kleinteilig linearen Substrukturen ein, die zersetzt erscheinen, gedärmhaft wirken und die Vernetzungsstruktur von Schlingpflanzen besitzen, in denen die Figuren wie Knoten oder Verdickungen verstrickt sind. Pulsierend sind auch die Figuren durch ausgedünnte und dicke Zonen gebildet. Die Kombinatorik ihrer phantastischen Wesen verbindet Trompeten oder Gegenstände aus dem Tätigkeitsbereich der Figuren mit organischen Strukturen, die teilweise offen liegen, teilweise ornamental ausgefüllt sind.

Frei von anerzogenem Ekel und ohne über staunende Belustigung hinausgehende Gefühle wird die wahrgenommene, teils maskenhafte Filmwelt zur eigenen Formwelt umgenutzt. Mit einem gleitenden Rapidographen, der dem Zeichendruck standhält und im Linienfluss nicht abbricht, zeichnet sie beliebig große Arbeiten mit ausgeglichenen Hell-Dunkel-Verteilungen. Augenblicklich sind diese Schwarz-weiß, können aber auch einzelne Formen in einer anderen Farbe aufnehmen. Unglaublich kleinteilige Muster aus Schlingenballungen begleiten wolkig geisterhaft die spindeldünnen Wesen und setzen sich teilweise in deren Körpern fort. Diese sind wiederum von Hirnschlingen, Rippenstrukturen und organischem Muster gefüllt und von krallenhaften Fingern mit langen aufgesetzten Fingernägeln gekennzeichnet. Schattenschraffuren geben den Figuren gekonnt Volumen.

Der Anerkennungspreis 2016 der Lothar-Späth-Stiftung würdigte diese bemerkenswert eigenständigen Arbeiten.

Annika Sachtleben zeichnet Erlebnisse und Szenen aus ihrem persönlichen Alltag.